Wie viel Marke braucht der Gast?

Die Gastronomie gehört zu den am stärksten betroffenen Branchen der Corona-Krise. Auch jetzt, wo Restaurants unter Auflagen wieder öffnen können, stellt sich die Frage, wie das Erlebnis und die Gastfreundschaft in die Gastronomie zurückkehrt. Dabei hat gerade die Gastroszene in den letzten Wochen bewiesen, wie innovativ und kreativ sie ist. Diese Dynamik und die eigenen starken Werte bilden die Basis dafür. Tipps von Patrizia Kaufmann, Head of Gastronomy & Food bei Mint Architecture.

1. Trennung mit Stil
In den ersten Tagen nach der Lockerung des Lockdowns sah man doch die eine oder andere Lösung zur Einhaltung der Distanzregeln, die einem als Architektin schon mal die Haare hat zu Berge stehen lassen. Es ist verständlich, dass viele Gastrobetriebe nach der zweimonatigen Zwangsschliessung keine teuren Investitionen tätigen können. Gleichzeitig sind differenzierte Lösungen gefragt, um die finanzielle Rentabilität sicherzustellen. Doch wie kann die Distanz eingehalten werden?

Wählen Sie attraktive Trennelemente, damit sich die Gäste wohlfühlen. ©ZigZagZurich
  • Bewusst planen: An oberster Stelle stehen die Raumaufteilung und die Schaffung einer genügend hohen Anzahl an Sitzplätzen, um den Betrieb wieder rentabel aufzunehmen. Grösseren Gastrobetrieben empfehlen wir, die Fläche für eine Vielzahl von Sitztypen und -konfigurationen einzuteilen. Bei kleineren Betrieben sollte in einem ersten Schritt eine neue Anordnung mit dem bestehenden Mobiliar und die Frage nach dem Angebot- und Servicekonzept im Zentrum stehen.
  • Natürlich trennen: Verzichten Sie grundsätzlich auf verstaubte Bambuswände als billige Trennelemente. Kehren die Gäste zurück, ist das Wohlfühlambiente wichtiger denn je. Während im Freien Sonnenschirme und Bepflanzungen meist schon Raum für eine natürliche Trennung bieten, lässt sich die Fläche zwischen den Tischen auch im Innern mit Pflanzen in hohen Gefässen trennen. Dabei handelt es sich erst noch um eine langfristige Investition. Die Auswahl an Gefässen und Bepflanzungsideen ist in Zeiten des «Greenery-Trends» sehr gross. Aber auch mit Textilien lassen sich schöne Abtrennungen realisieren.
Diner-Elemente mit Rollen lassen sich schnell und einfach verschieben und ermöglichen sowohl Rückzug als auch die erforderliche Trennung.
  • Machen Sie mobil: In grossen Gastrobetrieben empfehlen sich mobile Diner-Elemente, die sowohl Rückzug als auch die erforderliche Trennung ermöglichen. Sie bieten ein qualitatives Ambiente und halten trotzdem die nötige Distanz.
  • Highback Seating: Sofas und Sitzgelegenheiten mit hohen Lehnen sind die Trendsetter in modernen Büroeinrichtungen. Sie bieten Vertraulichkeit und reduzieren den Umgebungslärm. Auf grösseren Flächen eignen sie sich wunderbar, um die erforderlichen Distanzen einzuhalten.
  • Zurück an den Küchentisch: Grosse Küchentische, wie wir sie von früher kennen, eignen sich zurzeit wunderbar, um mithilfe von ästhetischen Markierungen auf dem Tisch die geforderten Abstände gleich vorzugeben. Das Schöne dabei ist, dass ein grosser Tisch trotz Distanz verbindet.
Grosse Küchentische eignen sich zurzeit wunderbar, um mithilfe von Markierungen die geforderten Abstände gleich vorzugeben. ©STILLSTARS

2. Zeig mir den Weg
Genau, ein Gastrobetrieb ist keine Baustelle. Deshalb weg mit den rotweiss oder gelbschwarz gestreiften Bodenkleber. Während diese zu Beginn des Lockdowns als Warnung Sinn machten, gehen viele Menschen heute bereits automatisch auf Distanz. Setzen Sie deshalb in Sachen Beschriftung und Wegführung auf das Motto: Lenken und nicht befehlen. Möglich wird dies beispielsweise mit witzigen Beschriftungsslogans oder auffälligen Grafikelementen am Boden und an den Wänden. Und wenn auf den Toiletten Waschbecken und Co. zu nah aneinander gereiht sind, setzen Sie doch auf schöne Kunstblumen, die samt Topf signalisieren, dass die Hände im Becken nebenan gewaschen werden sollten

Auffällige Grafikelemente ermöglichen eine ästhetischere Wegführung für den Kunden. ©casavogue.globo

3. Hygiene schön inszeniert
Die Hygiene sichtbar zu machen, schafft Vertrauen. Doch Plastikbehälter mit Desinfektionmitteln und klinisch anmutende Hygieneartikel beeinträchtigen den Wohflühlcharakter.

  • Schönes für die Hygiene: Nutzen Sie hübsche Dispenser und schöne papierene Handtücher.
  • Zeigen Sie sich offen: Offene Küchen waren schon vor Corona von grosser Bedeutung. Nun geben sie die Möglichkeit, zu zeigen, dass die Speisen sauber zubereitet werden. Falls sie über keine Open Kitchen verfügen, wie wäre es zum Beispiel mit einem Live-Stream aus der Küche, um die Transparenz dem Kunden zu präsentieren.
  • Speisen wohl proportionieren und servieren: Offene Speiseausgaben sind zurzeit schwierig umzusetzen. Mögliche Massnahmen sind:
    • Statt offener Buffets, kleine vorbereitete Portionen im Tapas-Stil servieren
    • Salate in Weckgläsern vorproportionieren
    • Speisen für Vierertische anbieten, damit nicht jede einzelne Person bestellen muss
    • Casual Dining, das heisst, die Speisen werden an der Theke bestellt und anschliessend am Tisch von einer Person serviert
Zeigen Sie sich offen: Offene Küchen waren schon vor Corona von grosser Bedeutung. ©archdaily

Das Gastroteam von Mint Architecture steht Ihnen für Fragen und Tipps gerne zur Verfügung. Wir wünschen allen eine erfolgreiche Rückkehr und viele schöne Erlebnisse mit den Gästen nach der langen Pause.

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